Nepenthes, die Kannenpflanze

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Nepenthes, die Kannenpflanze

Erstbeschreibung Carl von Linne 1753

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Systematik

Abteilung: Bedecktsamer (Magnoliophyta)
Klasse: Dreifurchenpollen-Zweikeimblättrige (Rosopsida)
Unterklasse: Nelkenähnliche (Caryophyllidae)
Ordnung: Nelkenartige (Caryophyllales)
Familie: Kannenpflanzengewächse(Nepenthaceae)
Gattung: Kannenpflanzen
Bot. Name: Nepenthes
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Die Erstbeschreibung dieser Gattung erfolgte im Jahre 1753 durch den schwedischer Naturwissenschaftler Carl von Linné. Bei der damals beschriebenen Art dürfte es sich wohl um Nepenthes distillatoria gehandelt haben. Die Kannenpflanze wurde zuvor schon im Jahre 1658 von Flacourt, dem damaligen Gouverneur von Madagaskar, als Amramitico erwähnt. Diese Bezeichnung verlor sich später jedoch wieder. Ein ganzes Jahrhundert sollte nach Linnes Beschreibung vergehen, bis Sir William Jackson Hooker im Jahre 1858 entdeckte, das die Fallen dem Fang von Insekten dienten, worauf hin dieser auch die Karnivorie der Gattung beschrieb.

Der botanische Name der Gattung stammt aus dem griechischen und bedeutet übersetzt soviel wie sorgenfrei. Dies bezieht sich wohl auf die falleneigene Flüssigkeit, welche nach Homer „einen Trank gegen Kummer und Groll und aller Leiden Gedächtis“ (Auszug aus seiner Odysse) darstellt, also berauschende Wirkung haben soll. Dies wurde bisher nicht nachgewiesen, bekannt ist allerdings das die sterile Flüssigkeit in noch geschlossenen Kannen der Nepenthes von einheimischen Indianern zum Auswaschen entzündeter Augen verwendet, oder in Borneo mancherorts als verdauungsförderndes Mittel nach dem Essen eingenommen wird. Im englischen werden die Pflanzen oft als „Monkey Cup“ bezeichnet. Dies bedeutet übersetzt „Affen Becher“ und rührt wohl daher das schon Affen beim Leeren der Fallen beobachtet wurden um dadurch an die gefangenen Insekten zu kommen..

Nepenthes sind mehrjährige, ausdauernde Halbsträucher oder Lianen die einem Rhizom entspringen. Je nach Art wächst dieses kriechend, im Boden verwurzelt oder epiphytisch. Kannenpflanzen haben ein recht gut entwickeltes, feingliedriges, reichlich verzweigtes Wurzelsystem, sind allerdings flachwurzelnd, die Wurzeln sind also nur in den obersten Schichten des Bodens verankert.

Die teilweise sehr langsam wachsenden Pflanzen bilden meist kletternde Ranken mit wechselständig stehenden Blättern aus. Die wie Blätter ausehenden und geformten Blattgründe der Kannenpflanzen bilden am äußeren Ende je nach Art unterschiedlich lange rankenähnlichen Fortsätze, an deren Ende die zur Karnivorie fähigen Kannen gebildet werden. Die Kannen stellen die eigentliche Blattspreite dar.

Nepenthes bilden zunächst eine flach aufliegende, kompakte Bodenrosette aus. Nach einiger Zeit gehen die Pflanzen in den Hochtrieb und beginnen zu klettern, wobei die Ranken an den Enden der Blattgründe zum „festhalten“ an Büschen oder Bäumen benutzt werden.

Die Fangorgane der Kannenpflanzen unterscheiden sich innerhalb der Gattung sehr stark in Form, Farbe und Größe. So stellt N. argentii die Art mit den kleinsten ausgebildeten Kannen (wenige Zentimeter) dar, während N. rajah bis zu einem Meter lange Blätter mit bis zu 4 Liter Flüssigkeit fassenden Kannen ausbildet. Die Form der Kannen reicht von bauchig rundlich (N.ampullaria) über fast trichterförmig (N.inermis) bis hin zu länglich schlank (N. albomarginata). Aber auch die Kannen der Bodenrosette und die des Hochtriebs unterscheiden sich bei vielen Arten im Aussehen in Form und Farbe teilweise so stark, das sie für Kannen von unterschiedlichen Pflanzen gehalten werden könnten. Dies ist wohl bedingt durch die verschiedenen Beutetiere, welche von der Pflanze am Boden oder hoch in der Luft gefangen werden.

Das Verbreitungszentrum der Kannenpflanzen liegt in Südostasien, dort hauptsächlich auf den Inseln Borneo und Sumatra, wo zirka 50, teilweise endemische Arten beheimatet sind. Ungefähr 30 weitere Arten sind auf den Philippinen, Malaysia, New Guinea und Sulawesi beheimatet. Aber auch auf Sri Lanka, den Seychellen, in Indien, Indochina und auf Madagaskar finden sich ein paar Vertreter der Kannenpflanzen. Zwei Arten haben es sogar bis nach Australien geschafft.

Man unterscheidet, je nach Vorkommen, zwischen Tiefland-, intermediären-, und Hochlandarten. Tieflandarten besiedeln Höhenlagen von 0 bis 1000 Meter über NN, während die Hochlandarten in Höhenlagen oberhalb 1000 über NN beheimatet sind. Zu den intermediären Arten werden alle Nepenthes gezählt, welche am Naturstandort im Grenzbereich zwischen Tief- und Hochland, also auf zirka 900 bis 1100 Meter über NN gedeihen.

Nepenthes wachsen zumeist an sehr hellen Plätzen in tropischem Klima mit stark erhöhter Luftfeuchtigkeit. Bevorzugte Standorte der Kannenpflanze sind lichte Wälder, Waldränder und Lichtungen, aber oft auch offene Gebiete. Der Boden am Naturstandort ist überwiegend nährstoffarm und sauer. Die Pflanzen wachsen oft in sandigen, von Moosen überwachsenen Waldböden oder auf sumpfigen Wiesen.

Nepenthes Kannen sind passive Fallgruben. Das nach innen umgekrempelte, sehr glatte Peristrom (der Kannenrand), sowie der feststehende Deckel sind mit zahlreichen Drüsen überzogen, welche einen süßlich duftenden Nektar absondern. Der duftende Nektar lockt Insekten an, welche dann auf dem glatten Peristrom ausrutschen und in das Innere der Kannen abgleiten. Die obere Hälfte der Kanneninnenwände ist mit einer sehr glatten Wachsschicht überzogen, welche im Zusammenspiel mit dem nach unten gerichteten und überstehenden Peristrom ein Entkommen der Beute fast unmöglich macht.

Die Kannen sind zu zirka einem Drittel mit Flüssigkeit gefüllt. Diese wird von der Pflanze selbst gebildet und enthält Verdauungsenzyme. Durch die Bewegungen der gefangenen Beute angeregt, beginnen an der Innenseite der Kannen sitzende Drüsen mit der Produktion eines sehr zähflüssigen Sekrets wodurch die Verdauungsflüssigkeit verdickt wird und das gefangene Insekt letztendlich ertrinkt.

Nun beginnen die in der Verdauungsflüssigkeit enthaltenen Enzyme ihre Arbeit und zersetzen die gefangene Beute. Die so freigesetzten Nährstoffe werden von der Pflanze aufgenommen und verwertet.

Der auf der Kanne sitzende Deckel dient in erster Linie wahrscheinlich als Regenschutz, soll also verhindern das die Verdauungssäfte durch Niederschläge allzu sehr verdünnt werden. Einige Nepenthes besitzen allerdings einen nach oben stehenden, recht schmalen Deckel (z.B. N. ampullaria und N. inermis). Es wird vermutet das diese Arten auch Naturabfälle wie abgestorbene Blätter, kleine Äste oder ähnlicher Unrat welcher in die Kannen gelangt, zersetzen und verwerten können.

Es gibt sogar eine Kannenpflanze die sich auf die Verwertung von Vogelkot spezialisiert hat. Bei den Hochkannen von N. lowii ist der relativ große Deckel nach hinten geneigt und mit einer zuckerartigen süßlichen Substanz bedeckt. Die Vögel, welche durch die weißliche Substanz angelockt werden, lassen beim kosten derselben ihre Exkremente in die Kannen fallen, wo diese von der Pflanze verwertet werden.

Die Beute der Kannenpflanzen besteht zumeist aus Insekten, Ameisen oder Termiten. Aber auch Vögel, kleine Echsen oder Mäuse, die wohl beim Versuch die Kannen auszurauben selbst zum Opfer wurden, stehen bei größeren Arten auf dem Speiseplan.

Kannenpflanzen haben, aufgrund ihrer unterschiedlichen Herkunftsgebiete, natürlich auch differenzierte Ansprüche an die Kultur. Alle Nepenthes sind tropische Pflanzen, benötigen eine stark erhöhte Luftfeuchtigkeit und werden das ganze Jahr über bei gleichbleibenden Bedingungen gehalten.

Bei der Kultur der Kannenpflanze gilt es zwischen Tiefland-, Hochland- oder intermediären Arten zu unterscheiden. Tieflandarten werden idealerweise tagsüber und nachts bei Temperaturen zwischen 25° und 35° Celius kultiviert. Hochlandarten bevorzugen tagsüber Temperaturen von 20° bis 30° Celsius und benötigen eine deutliche Temperaturabsenkung, idealerweise auf unter 15° Celsius, nachts. Einige Arten kommen in Höhenlagen auf über 3000 Meter vor, diese benötigen nachts sogar eine Absenkung auf unter 10° Celsius. Intermediäre Arten lassen sich entweder unter Hochland- oder Tieflandbedingungen kultivieren. Bei allen Nepenthes ist für eine stark erhöhte Luftfeuchtigkeit zu sorgen, idealerweise um die 80%, da viele Arten sonst keine Kannen ausbilden. Ausgenommen hiervon sind ein paar wenige robustere Arten oder Kulturhybriden, welche man oft in Bau- oder Gartencentern findet. Diese bilden auch bei wesentlich weniger Luftfeuchtigkeit die typischen Kannen aus.

Hochländer gedeihen oft an offenen ungeschützten Stellen unter direkter Sonneneinstrahlung, weshalb bei Hochlandarten für ausreichend starke Beleuchtung zu sorgen ist. Die Tieflandarten, welche meist in tropischen Wäldern wachsen, werden am Naturstandort oft nur von indirektem Licht erreicht und kommen in Kultur deshalb auch mit weniger Licht zurecht als ihre Verwandten aus dem Hochland.

Als Substrat hat sich eine lockere, durchlässige aber dennoch wasserspeichernde Mischung bewährt. Diese kann aus lebendem oder totem Sphagnum, aufgelockert mit Baumrinde, Kokosfasern, Perlite oder Styroporkugeln, bestehen. Anstelle von Sphagnum kann auch gut Weißtorf verwendet werden. Nepenthes fühlen sich auch in sehr schwach gedüngter Orchideenerde wohl. Das Substrat sollte immer feucht, aber nicht naß sein, Anstaubewässerung ist also zu vermeiden.

Die meisten Kannenpflanzen reagieren auf eine leichte Blattdüngung (stark verdünnter Orchideen- oder Tillandsiendünger), oder auf eine Düngung mit Osmocote sehr gut.

Die Vermehrung gelingt am Besten auf dem vegetativen Weg. Viele Arten bilden Seitentriebe aus, diese können von der Pflanze abgetrennt und bewurzelt werden. Die Bewurzelung gelingt sehr gut bei stark erhöhter Luftfeuchtigkeit in lebendem Sphagnum. Kannenpflanzen lassen sich auch sehr gut über Kopfstecklinge vermehren.

Von |2020-06-26T09:57:04+00:00Februar 5th, 2015|Gattungen|0 Kommentare