Heliamphora, der Sumpfkrug

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Heliamphora, der Sumpfkrug

Erstbeschreibung Georg Bentham 1840

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Systematik

Abteilung: Bedecktsamer (Magnoliophyta)
Klasse: Dreifurchenpollen-Zweikeimblättrige (Rosopsida)
Unterklasse: Asternähnliche (Asteridae)
Ordnung: Heidekrautartige (Ericales)
Familie: Schlauchpflanzengewächse (Sarraceniaceae)
Gattung: Sumpfkrug
Bot. Name: Heliamphora
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Die erste Art der Gattung Heliamphora wurde 1838 von dem deutschen Forschungsreisenden Robert Hermann Schomburgk (1804-1865) während einer, im Auftrag der britischen Regierung durchgeführten, mehrere Jahre dauernden Festlegung der Grenzen zwischen Guyana und Venezuela auf dem Mt. Roraima entdeckt. Das von Schomburgk gesammelte Pflanzenmaterial wurde zwei Jahre später von Georg Bentham als Heliamphora nutans beschrieben.

Es verging fast ein ganzes Jahrhundert (91 Jahre) bis die nächste Art (Heliamphora tatei) dieser wunderschönen Gattung gefunden wurde. In den letzten Jahren wurden allerdings einige neue Arten entdeckt und beschrieben, hauptsächlich von einer deutschen Gruppe, bestehend aus Andreas Wistuba, Thomas Carow, Joachim Nerz und Peter Harbarth. Dazu gehören beispielsweise Heliamphora sarracenioides und Heliamphora exappendiculata. Beide Arten weisen, im Vergleich zu den anderen Sumpfkrügen, recht eigenartig gewachsene Deckel auf. Während bei Heliamphora sarracenioides das obere Schlauchende eher dem einer Sarracenia purpurea ähnelt, ist der Deckel bei Heliamphora exappendiculata je nach Klon mehr oder weniger in den Krug eingeschlossen.

Der deutsche Name dieser Gattung setzt sich aus dem griechischen Wort „helos“ (gleichbedeutend mit Sumpf) und „amphora“ (das griechische Wort für Krug oder amphorenartiges Gefäß) zusammen. Im englischsprachigen Raum wird diese Pflanze als Sunpitcher, deutsche Übersetzung Sonnenkrug, bezeichnet Auch bei uns ist des öfteren der Name Sonnenamphore zu hören, dies rührt wohl von einer Verwechslung des Wortes helos mit helios her, was im griechischen Sonne bedeutet.

Alle Sumpfkrüge verfügen über einen altersabhängigen Blattdimorphismus. Das heißt die Blätter junger (juveniler) Pflanzen unterscheiden sich stark in der Form von den Blättern erwachsener (adulter) Pflanzen. Während die Blätter junger Pflanzen bei allen Arten nahezu gleich aussehen, variieren die Blätter adulter Arten mehr oder weniger ausgeprägt in Farbe und Wuchsform. Besonders die meist spatelförmigen Necktardeckelchen sind innerhalb der Gattung sehr unterschiedlich geformt. Die verschiedenen Formen der Deckel reichen von oval und eher länglich über fast rund und hutförmig bis hin zu „in den Krugrand eingewachsenen“.

Die Arten der Gattung Heliamphora sind terrestrisch wachsende, horstbildende, mehrjährige Pflanzen. Das Rhizom der Pflanze bildet horizontale Ausläufer und wächst dann vertikal nach oben. Auf diese Weise können Heliamphora im Laufe mehrerer Jahre riesige Pflanzenhorste bilden. Heliamphora tatei kann einen bis zu vier Meter hohen Stamm bilden, alle anderen Arten bilden bodenständige Rosetten.

Mittlerweile sind 25  Arten den Gattung Heliamphora beschrieben. Somit stellt der Sumpfkrug die größte karnivore Gattung in der Familie der Schlauchpflanzengewächse, zu der auch die Schlauchpflanzen (Sarraceniea) und die Kobralilie (Darligtonia californica) gehören, dar. Da die Pflanzen im Habitat oft an sehr schwer zugänglichen Standorten wachsen, welche oft nur mit dem Hubschrauber zu erreichen sind, ist nicht auszuschließen das in naher Zukunft noch mehr Arten dieser Gattung entdeckt werden. Die Tatsache das in den letzten Jahren relativ viele Arten gefunden und beschrieben worden sind läßt gleiches vermuten.

Die Heimat der Heliamphora ist der Norden Südamerikas.
Im Südosten Venezuelas ersteckt sich über eine Gesamtfläche von ca 300.000 km2 auf einer Höhe von etwa 1000m über NN eine riesige Graslandschaft, in der Landessprache Gran Sabana genannt – die große Savanne. Aus dieser immerfeuchten, von zahlreichen Flüssen und kleinen Tälern ünd Anhöhungen durchzogenen Hochebene erheben sich gewaltige Bergmassive in den Himmel. Diese Sandstein – Felsformationen sind im Laufe von Jahrmillionen durch Erosion entstanden, das Alter dieser Berge wird auf ca 1.6 Milliarden Jahre geschätzt.

Das sind die sogenannten Tafelberge, sie werden von den einheimischen Pemon-Indianern als Tepuis bezeichnet, was übersetzt „Häuser der Götter“ bedeutet. Die Tafelberge der großen Savanne sind die Heimat fast aller Heliamphora. Alle Arten der Gattung, bis auf Heliamphora heterodoxa und Heliamphora sarracenioides, sind auf den Tepuis zu finden. Der Mt. Roraima ist mit 2800 Metern Höhe der größte Tafelberg der Gran Sabana. Zu den bekanntesten Tepuis der Sabana gehören neben dem Mt. Roraima das Chimanta Massiv (2650 m), der Ilu-Tepui (2600 m), der Kukenán-Tepui (2500 m) und der Auyan -Tepui (2500 m). An der östlichen Seite des Auyan – Tepuis stürzt der Rio Churun als Salto Angel über 1000 Meter in die Tiefe, der höchste Wasserfall der Welt. Dieser Teil der Gran Sabana gehört zum Canaima Nationalpark, welcher von der UNESCO zum Weltnaturerbe ernannt wurde.

Einige Arten der Gattung Heliamphora sind auf Bergen außerhalb der Gran Sabana beheimatet. Diese sind der Pico de Neblina (3014 m) an der Grenze zu Kolumbien und das Duida Marahuaca Massiv, bestehend aus dem Cerro Duida (2400 m), dem Cerro Huachamakari (1800 m) und dem Cerro Marahuaca (2800 m), im Bundesstaat Amazonas.

Die Tepuis sind, bedingt durch ihre steilen, ja fast senkrecht abfallenden Wände und Klippen und den teilweise sehr unterschiedlichen herrschenden klimatischen Verhältnissen, stark voneinander isoliert. Dadurch bedingt haben sich innerhalb der Gattung auch an sehr nahe beieinanderliegenden Fundorten verschiedene Arten entwickelt. Diese starke Isolation ist auch der Grund weshalb auf den verschiedenen Tepuis häufig endemische Vegetation und Tierwelt anzufinden ist, eine Verbreitung einer Art auf verschiedenen Tepuis ist fast auszuschließen.

Das Klima auf den Tafelbergen Venezuelas kann getrost als unwirtlich bezeichnet werden. Wolkenbruchartige Niederschläge und starke Gewitter stehen an der Tagesordnung, Stürme peitschen über die Hochplateaus und manchmal sind die Tafelberge tagelang in Nebel und Wolken gehüllt. Die gelegentlich, durch den von Stürmen zerrissenen Wolkenteppich, scheinende Tropensonne hat dort oben sehr viel Kraft, das Sonnenlicht ist geprägt durch einen sehr hohen UV-Anteil. Die Temperatur sinkt nach der Dämmerung oft auf unter 5° , ja manchmal fast gegen den Gefrierpunkt. Auch tagsüber bleibt es, bedingt durch die Höhe, recht kühl. Die Durchschnittstemperaturen liegen bei 10° bis 20° Celsius. Die Böden auf den Bergen sind, bedingt duch die heftigen Niederschläge, sehr stark ausgewaschen und nährstoffarm. Die gewaltigen Wassermassen suchen sich ihren Weg über die Plateaus und nehmen dabei fast alles an Substrat und darin enthaltene verwertbare Stoffe mit.

Die adulten (fang- und verdauungsfähigen) Krüge der Heliamphora sind nach oben hin offen, so das sich Regenwasser darin sammeln kann. Etwa in der Mitte des Krugs befindet sich zwischen den Flügelleisten eine kleine Öffnung welche den Wasserstand reguliert. Dadurch wird ein herausspülen der gefangenen Beute verhindert – vermutlich eine Notwendigkeit, betrachtet man die extremen Niederschlagsmengen am Naturstandort.

Der Krug einer Heliamphora lässt sich grob in vier Bereiche oder Zonen unterteilen. Die oberste Zone stellt das mit Nektarien (Nektardrüsen) besetzte Deckelchen oder Hütchen dar. Zone zwei ist der obere Krugabschnitt und Zone drei und vier die jeweils tiefer im Krug sitztenden Abschnitte. Die potentiellen Opfer (meist Ameisen, aber auch Käfer und fliegende Insekten) werden durch die duftenden Nektarien im Hütchen angelockt und werden von dort mithilfe von weiteren Nektarien in den oberen Bereich (Zone zwei) des Kruges geführt. Dieser Bereich ist nur noch sporadisch mit Nektarien, dafür aber mit stark nach unten gerichteten Haaren besetzt. Diese abwärtsgerichteten Haare versperren dem Insekt den rettenden Weg zum Krugrand und lassen nur eine Bewegung in eine Richtung zu, nämlich nach unten. So gelangt das Opfer in die dritte Zone, in dieser ist der Krug völlig unbehaart und glatt, das Insekt findet keinen Halt mehr, und rutscht in den mit Flüssigkeit gefüllten Bereich (Zone vier) ab und ertrinkt. Heliamphora produzieren keine eigenen Verdauungs – Enzyme. Die Verdauung geschieht durch Zersetzung. Die gefangene Beute zersetzt sich im Wasser und die so freigesetzten Nährstoffe können von der Pflanze aufgenommenm werden.

Bei der Kultur dieser nicht ganz einfach zu haltenden Gattung spielen mehrere Faktoren eine wichtige Rolle. Bedingt durch die sehr hoch gelegen Standorte am natürlichen Habitat brauchen alle Arten sehr viel Licht und einen relativ kühlen Standort.

Im Idealfall sollte die Temperatur im Sommer 28° Celsius tagsüber nicht übersteigen, als echte Hochlandpflanze verlangt die Heliamphora eine Nachtabsenkung der Temperatur auf unter 20°, besser auf ca. 15°-18° Celsius.

Die Beleuchtungsdauer sollte zwischen 12 (nicht weniger) und 14 Stunden täglich betragen. Alle Heliamphora brauchen starke Beleuchtung mit sehr hoher Lichtintensität, als Leuchtmittel sind Natriumdampflampen oder Leuchstoffröhren sehr gut geeignet.

Die relative Luftfeuchte beträgt idealerweise zwischen 65% und 75%, nachts darfs ruhig ein bischen mehr sein. Mehrmaliges besprühen der Pflanzen mit einer Beregnungsanlage oder einem Handsprüher hat sich bewährt, allerdings sollten die Pflanzen zwischen den Sprühintervallen immer abtrocknen können. Es ist darauf zu achten das in den Krügen immer etwas Wasser steht.

Das Substrat muß durchlässig sein, zum Beispiel hat sich eine Mischung aus Torf und grobkörnigem Quarzsand schon oft bewährt. Auch Sphagnum (lebendes oder totes) eignet sich anscheinend sehr gut, bei totem Sphagnum sollte allerdings darauf geachtet werden das es nicht zu verrotten beginnt. Anstaubewässerung ist zu vermeiden.

Die Vermehrung der Pflanzen geht am einfachsten (und schnellsten) über den vegetativen Weg. Ältere Pflanzen bilden meist mehrere Vegetationspunkte. Diese werden abgetrennt und am Besten in lebendem Sphagnum bewurzelt. Die Vermehrung über Samen ist möglich, gestaltet sich aber laut einschlägiger Lektüre als recht langwierig, weswegen Heliamphora z.B. für kommerzielle Zwecke inVitro vermehrt werden.

Von |2020-06-26T09:55:29+00:00Februar 5th, 2015|Gattungen|0 Kommentare